Puppentheater „Hans Wurst Nachfahren“ – das bevorstehende „Aus“

Puppentheater "Hans Wurst Nachfahren"Foto: gregorselle.de

Das bevorstehende „Aus“

Gerade eben habe ich wieder einen Artikel über das Puppentheater „Hans Wurst Nachfahren“ am Winterfeldtplatz und dessen bevorstehendes „Aus“ in der Berliner Morgenpost gelesen. Seit Juni dieses Jahres mittlerweiler der x-te Artikel, ob in der Berliner Morgenpost, dem Tagesspiegel oder der Berliner Zeitung.

Immer wieder sind die Artikel gleichtönig öde, nichtsaussagend und leer vom Inhalt. Immer der gleiche Tenor, die selbe Leier: … die letzte Saison, die Spieler wollen nicht aufgeben, das Haus wurde auf Senatskosten umgebaut etc.. Lesen kann ich auch, dass in dem Objekt Luxuswohnungen entstehen sollen oder gar ein Tonstudio. Von Gentrifizierung ist die Rede.
Immer mehr habe ich den Eindruck, dass sich die diversen Schreiber der Artikel mit dem Thema überhaupt nicht auseinander gesetzt haben und nur oberflächlich, ja einseitig berichten. Immer wieder muss ich in den Artikeln lesen, dass das Theater nach über 30 Jahren bzw. nach 20 Jahren am Standort Winterfeldtplatz vor dem „Aus“ steht. Gut, neu in dem aktuellen Artikel ist, dass die Betreiber nunmehr einen neuen Standort suchen. Das fällt den Betreibern aber nun frühzeitig ein.

Hintergrund

Ja, und wie ist es denn nun? Unstrittig ist, dass die ehemalige Tischlerei am Winterfeldtplatz auf Kosten des Berliner Senats zum Theater umgebaut wurde und, dass mit der damaligen Vermieterin, der Treufonds GmbH, eine Nutzungsvereinbarung für 20 Jahre geschlossen wurde. Das war 1993. Eine weitere Nutzung des Objektes nach Ende 2013 war demnach völlig offen und es ist auch nahezu naiv zu glauben, dass es schon irgendwie weiter gehen würde.
Das Theater erhält derzeit eine Basisförderung von 113.000 EUR und zusätzlich einen Zuschuss für die Miete in Höhe von 40.000 EUR. Selbst bei einer Verlängerung des Mietvertrages wäre es naiv gewesen davon auszugehen, dass die Mietkosten gleich bleiben würden. Achja, da gibt es ja den Senat, also den Steuerzahler, der für die höheren Mietkosten des Theaters aufkommen könnte. Gekümmert hat man sich frühzeitig. Im Jahr 2007 war man mal beim Senat vorstellig, um über die Zukunft des Theaters zu sprechen. Das war zu zeitig.

Als die Vermieterin sich mit dem Gedanken trug, das Objekt zu verkaufen und hierzu im Jahr 2012 diverse Kaufinteressenten durch das Haus schleuste, wurde allerdings niemand informiert. Selbst die bezirkseigne BVV erfuhr erst aus den Medien über den Verkauf des Hauses.
Der Senat hatte den Kauf des Objektes in Erwägung gezogen. Nach einem Gutachten wurde das Objekt auf 550.000 EUR bewertet. Die Verkäuferin wollte jedoch weit mehr als 800.000 EUR als Kaufpreis für das Objekt erzielen. Das der Senat das Objekt nicht gekauft hat, weil dort etwas „liegen geblieben“ ist, ist nicht korrekt. Vielmehr wollte der Senat den überzogenen Kaufpreis nicht bezahlen. Das sehen die Theaterbetreiber allerdings anders.
Gekauft hat das Objekt Jörg Hiller, alias Konrad Sprenger – selbst Künstler. Das er in dem Haus ein Tonstudio installieren wird, ist wohl eher unwahrscheinlich, wenn man sich mal vor Augen führt, wieviele Tonstudios es mittlerweile in Berlin gibt, die allesamt nicht ausgebucht sind. Zudem ist das Objekt für ein Tonstudio völlig ungeeignet. Selbst Luxuswohnungen werden in dem Haus nicht entstehen. Ich denke, das ist Quatsch. Vielmerh wird der neue Eigentümer das Haus als Spielstätte fortführen, sicherlich als Auftrittsstätte für sich selbst und befreundete Künstler.

Fehlende Nachfolgeregelung

Die sich im Kiez gegründete „Initiative Kiezkultur“ – nicht zu verwechseln mit dem von mir (mit)gegründeten „Aktionsbündnis Kiezkultur“ will sich mit den rechtlichen Gegebenheiten nicht abfinden. Die Initiative versucht nun durch eine Online-Petition den Senat dazu zu bewegen, seinen Fehler rückgängig zu machen. Welchen Fehler eigentlich? Die Entscheidung, nicht auf Kosten des Steuerzahlers einen überzogenen Kaufpreis für ein Objekt zu bezahlen, in dem ein Puppentheater residiert, dessen Zukunft völlig offen ist. Offen deswegen, weil Siegfried Heinzmann mittlerweile 75 Jahre und seine Mitstreiterin, Barbara Kilian, 62 Jahre alt ist. Sicherlich junggeblieben, dennoch betagt an Jahren. Also beide in einem Alter, in dem man eher an den Ruhestand denken könnte. Eine Nachfolgeregelung hat das Theater nicht – niemand aus dem Ensemble ist bereit, das Theater weiter zu führen. Nun gut, man würde ja noch einige Zeit weiter spielen, so man sie denn ließe – aber eine Zukunft für die nächsten 20 Jahre hat das Theater damit nicht. Das werden die Verantwortlichen im Senat bei ihrer Entscheidung das Theater nicht zu kaufen sicherlich mit berücksichtigt haben.

Nach der Sommerpause hatte der Kulturausschuß der bezirkseigenen BVV zum 4. September die Theatbetreiber geladen, um über die weitere Zukunft des Theaters und einen möglichen Alternativstandort zu reden. Allerdings ist man dieser Einladung nicht gefolgt.

Theaterbetreiber lassen kämpfen

Die „Iniative Kiezkultur“ versucht nun für das Puppentheater zu kämpfen – also nicht die Theaterbetreiber kämpfen, sie lassen kämpfen. Heute wurden am Martkttag auf dem bekannten Winterfeldtplatz Handzettel verteilt und mit Sandwichplakaten auf die Situation aufmerksam gemacht. Die geplante Aktion des „großen Budenzaubers“ wurde aufgrund der Schlechtwetterlage verschoben … denn kämpfen kann man ja nur bei schönem Wetter.

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