Blue Boy Bar schließt

Blue Boy Bar

Man mag es kaum glauben, aber die Blue Boy Bar schließt zum 28.02.2015. Die Blue Boy Bar ist neben dem Tabasco die wohl älteste Schwulenbar im Nollendorfkiez. Vormals unter dem Namen Club David und Udo’s Blue Boy ist die Blue Boy Bar in den über 40 Jahren zu einer „Institution“ im Regenbogenkiez geworden.

Hier trafen sich die Jungs aus aller Welt, die einsamen Herzen der Stadt mit solventen Geschäftsleuten und Touristen. Obwohl die Bar mit ihrem kitschigen Dekor in die Jahre gekommen war, war sie dennoch oft Anziehungspunkt für den Ausklang eines netten Abends. Manch einer ist hier nach mehreren durchgefeierten Tagen und Nächten schon versackt.

Die Blue Boy Bar war ein traditionsreiches Berliner Stricherlokal, in dem das Angebot oft deutlich die Nachfrage überstieg. Eigentlich eine Bar, in die man nicht ging, aber dennoch war es auch irgendwie ein Ort des „Zuhauseseins“. Das lag sicherlich ganz stark an Hans, dem Inhaber der Bar, der wie ein guter Wachhund auf einen achtete sowie an Oliver und seinem Tresenteam. Ich kenne eigentlich fast niemanden, der nicht schon einmal in der Blue Boy Bar war. Die Bar musste man erlebt haben, ob man wollte oder nicht.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in der Blue Boy Bar erinnern. Das war im Frühjahr 1994 und ich war mit meinen 24 Jahren noch recht taufrisch. An dem Abend war ich auf einer Party eines Freundes, zu der auch Udo Walz, Wolfgang Joop, der „alte“ Selbach und einige andere Berliner Persönlichkeiten eingeladen waren.

Von der Blue Boy Bar hatte ich schon so einiges gehört. Auf dem Weg nach Hause zum Nollendorfplatz war ich nach ein paar Gläschen Prosecco angeheitert, mutig und neugierig genug, um den Taxifahrer anzuweisen, mich in der Eisenacher Straße rauszulassen. Zögerlich klingelte ich an der Tür, Hans öffnete und möglichst selbstbewußt betrat ich in meinem kanariengelben Flanellmantel und spinatgrünen Schal die Bar. Schumrig war es und vereinzelt saßen dort einige Herren älteren Semesters. Hans wies mir freundlich einen Platz an der Bar und ich bestellte ein Bier. Ich spürte die gierigen Blicke nach Frischfleisch. Zugleich fühlte ich mich unwohl, aber auch glückselig, dass ich mich getraut hatte, in die Bar zu gehen. In meinem Outfit muss ich wie ein Edelstricher gewirkt haben. Jedenfalls muss mein Aufzug einen der Herren animiert haben, mich unmißverständlich anzusprechen. Ich war völlig irritiert und schockiert. Hans merkte das sofort und bat den Herrn, mich in Ruhe zu lassen. Nachdem ich mein Bier ausgetrunken hatte, ging ich nach Hause und schwor mir, diese Bar nicht wieder zu betreten.

Viele Jahre später war ich dann mit Freunden mal wieder in der Blue Boy Bar und eine zeitlang auch immer mal wieder unregelmäßig regelmäßig dort. Mit Frank-Peter mußte ich dann meist trudeln und es freute mich, wenn er sich fürchterlich ärgerte, dass er mal wieder verloren hatte. In der Zeit lernte ich kennen, was ein Futschi ist und das Hans nur Peach trinkt.

Wenn man mal von den anwesenden Strichern absah, war die Blue Boy Bar eine urige Berliner Kneipe. Unter der Aufsicht von Hans wurde man von den Strichern in Ruhe gelassen und konnte einen meist lustigen Abend bei schnulziger Musik ala „Zwei kleiner Italiener“ oder „Knallrotes Gummiboot“ verbringen.

Gerüchteweise gab es einen Eigentümerwechsel des Hauses, in dem die Blue Boy Bar seit vielen Jahren beherbergt ist, und der neue Eigentümer verlängert wohl den Mietvertrag nicht. In den Räumlichkeiten soll künftig ein Café eröffnen.

Über 10 Jahre war ich nun nicht mehr in der Blue Boy Bar und ich denke, dass sich in der Zeit nicht viel geändert haben wird. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass diese „Institution“ irgendwann mal schließen könnte. Nun ist es leider soweit – eigentlich ein Anlaß die Blue Boy Bar noch einmal zu besuchen.

Ich werde die Blue Boy Bar immer in guter Erinnerung behalten, weil ich hier einige sehr lustige Abende verbracht habe. Im Gegensatz zu einigen anderen, bin ich dort nie „beklaut“ worden – sicherlich dank Hans wachsamen Auges. Danke lieber Hans für die schönen Abende. Ich wünsche Dir und Deinem Team alles Gute und viel Gesundheit.

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6 Kommentare zu Blue Boy Bar schließt

  1. Ich finde es ebenso schade , daß ein „Stück Altbewährtes“ geht + wieder einem „fortschrittlichen Neuding“ Platz machen „muß“

  2. Die Blue Boy Bar eröffnet am 01.04.2015 an neuem Standort. http://Www.blueboy-Berlin.de
    Kleiststr .7

    Wir freuen uns natürlich euch auch dort wieder begrüssen zu können.

  3. Ein großartiger Artikel, der wieder einmal mehr ein Stück Kiezgeschichte erschließt. Auch wenn es traurig ist, ein Stück Geschichte „gehen“ zu lassen, that`s life und vielleicht „schreibt“ sich dann eine neue Story. Es wäre sehr schön noch mehr solcher Anekdoten hier zu lesen. Barbara

  4. Zunächst muss ich sagen, dass es ein schön geschriebener Artikel ist. Ich finde es sehr schade, dass wieder ein Stück Kiez stirbt. Die Blue Boy Bar ist mir nicht unbekannt. Sie zählte zwar nicht zu meinem Stammlokal, wurde aber von mir auch unregelmäßig regelmäßig besucht und es gab wirklich lustige Abende/Nächte/Tage.
    Schade! Auch ich wünsche Hans und seinem team alles Gute! Yosh

    • Lieben Dank für Deinen Kommentar, Yosh Mir fiel es nicht schwer, den Artikel zu schreiben. Die Blue Boy Bar gehörte auch nicht zu meinem Stammlokal, dennoch finde ich schade, dass ein weiteres Stück „Kiezkultur“ stirbt.

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