Frischer Wind oder Flaute beim Bruno Gmünder Verlag?

Bruno Gmünder GmbH: Mitverantwortlicher Geschäftsführer der insolventen Bruno Gmünder Group GmbH ist nunmehr alleiniger Geschäftsführer

Mit der neuen Geschäftsführung, Frank Zahn und Michael Taubenheim, sollte frischer Wind in’s Unternehmen gebracht werden. Nun ist Frank Zahn nicht mehr in der Geschäftsführung.
Frischer Wind oder doch eher Flaute?

In meinem Beitrag Frank Zahn beim Bruno Gmünder Verlag ausgestiegen habe ich darüber berichtet, dass der Berliner Anwalt Frank Zahn scheinbar nach zwei Monaten wieder aus der neu gegründeten Bruno Gmünder GmbH ausgestiegen ist. Queer.de hat dies zum Anlaß genommen, mit dem Berliner Anwalt zu sprechen. Im Gespräch mit queer.de wies Frank Zahn Gerüchte um ein Zerwürfnis beim Bruno Gmünder Verlag zurück und sagte:

„Mein Rückzug ist nur temporär und hat allein berufsrechtliche Gründe“

Mit seinem Rückzug habe er standesrechtlichen Bestimmungen Rechnung tragen müssen. Nun, rund 30% der in Deutschland tätigen – vor allem jüngere – Rechtsanwälte haben eine Zweittätigkeit bei der Rechtsanwalts-
kammer angemeldet. Dabei enthält die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) nur wenige Vorschriften, welche eine zweitberufliche Betätigung einschränken. Eine Tätigkeit als Geschäftsführer eines Verlagsunternehmens gehört meines Erachtens nicht dazu.

Nun frage ich mich, welche berufsrechtlichen Gründe der Anwalt hier meinen könnte.

Sollte man nicht der Meinung sein, dass gerade ein Anwalt wissen sollte, ob eine Tätigkeit als Geschäftsführer eines Unternehmens im Zwiespalt zu der eigenen, eigentlichen Tätigkeit stehen könnte? Diese Tatsache wird einem Anwalt doch nicht erst nach zwei Monaten Geschäftstätigkeit bewußt. Spätestens bei Anzeige der Tätigkeit bei der Rechtsanwaltskammer sollte der Anwalt hierüber im Klaren sein – und die macht er eigentlich im Vornherein.

Im Gespräch mit queer.de sagte Frank Zahn weiterhin

„Wir werden alles schnellstmöglich klären. In einigen Wochen oder Monaten werde ich dann wieder neu als Geschäftsführer berufen.“

Bis zur Klärung führt nun einer der ehemaligen Geschäftsführer der insolventen Bruno Gmünder Group GmbH, Michael Taubenheim, die neu gegründete Bruno Gmünder GmbH als Geschäftsführer allein. Ob man bei der Erfüllung dieser Tätigkeit von der „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes“ ausgehen darf, bleibt nach der Insolvenz der Bruno Gmünder Group GmbH jedem selbst überlassen. Und ob Banken, Druckereien und Autoren, die Gläubiger der insolventen Bruno Gmünder Group GmbH sind, wieder Vertrauen bei einem neuen Unternehmen mit „altem“ Geschäftsführer fassen werden, ist fraglich. Frank Zahn hält vorerst nach eigener Aussage jedenfalls weiterhin die Mehrheitsanteile der Gesellschaft.

Nun kann man vermuten, dass Frank Zahn im Zusammenhang mit der insolventen Bruno Gmünder Group GmbH die rechtlichen Interessen vom ehemaligen Geschäftsführer Michael Taubenheim vertritt. Wenn dem so ist, würde seine Tätigkeit als Geschäftsführer mit seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt tatsächlich kollidieren. Und auch nur so kann ich mir den derzeitigen, temporären Rückzug erklären.

Nollendorfkiez bald ohne Bruno’s?

Bruno's Filiale Nollendorfplatz | Foto: gregorselle.de

Bruno’s Filiale Nollendorfplatz | Foto: gregorselle.de

Nach der Insolvenz der Bruno Gmünder Group GmbH, muss die neue Gesellschaft jeden Vertrag neu abschließen. So war Frank Zahn in den letzten zwei Monaten

„vor allem mit organisatorischen und juristischen Fragen
beschäftigt gewesen“

sagte er gegenüber queer.de. Die „Bruno’s“-Läden am Nollendorfplatz in Berlin und in München hätten aus unterschiedlichen Gründen noch keinen neuen Mietvertrag. Demnach wird die „Bruno’s“-Filiale am Nollendorfplatz derzeit im dritten Monat ohne gültigen Mietvertrag betrieben. Wenn es der neuen Gesellschaft nicht gelingt, einen neuen Mietvertrag zu erwirken, wird dann gerade der – für die Community so wichtige queere Nollendorfkiez – künftig ohne „Bruno’s“ auskommen müssen? Davon ist wohl auszugehen, da mir aus anderer Quelle bekannt ist, dass der Vermieter nicht beabsichtigt, einen neuen Mietvertrag abzuschließen und mir im Nollendorfkiez kein adäquates, freistehendes Ladengeschäft einfallen würde. Notfalls kann man sich ja verkleinern und in die frei gewordenen Räumlichkeiten der Videothek „World of Video“ von Steffen van de Ven einziehen.

Aber das sind alles nur „Gerüchte“. Es wird sicherlich in der nächsten Zeit spannend bleiben.

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