David Berger: Das heilige Sein

David Berger, MÄNNERDavid Berger | Foto: picture alliance / dpa

Nein, das ist kein neuer Buchtitel David Bergers – es ist vielmehr eine Anspielung auf seine Lebensart. Nach dem ich mit meinem Beitrag Der stille Abgang des David Berger als Chefredakteur der MÄNNER den allgemeinen Medien die Verkündung des Rauswurfs Bergers beim Bruno Gmünder Verlag vorwegnahm, habe ich im vergangenen Monat ein wenig über David Berger in den Medien gelesen.

David Berger ist Vertreter des Neuthomismus und galt eine Zeit lang als vehementer Gegner der Theologie Karl Rahners und seiner Schüler. Vieles, ja wirklich sehr vieles wird von ihm und über ihn geschrieben. Es gibt unzählige Artikel, Interviews und Videos. Erstaunlich fand ich, dass seine Google-Laufbahn erst im Jahr 2010 so richtig startete. In der Zeit davor lassen sich zwar auch vereinzelt Beiträge von und über David Berger finden, jedoch eher spärlich. Einige seiner Artikel setzen sich bereits kritisch mit der katholischen Kirche auseinander. Die Beiträge aus dieser Zeit sind jedoch eher verhalten, fast gezähmt, wenn man diese Beiträge mit seinen Beiträgen der letzten Jahre vergleicht. Heute prallt einem eine fast unerträgliche Aggressivität entgegen. Diskretion lag ihm nie – wohl ein Fremdwort für ihn. Von Loyalität ganz zu schweigen. Jahrelang hat er das Brot Gottes gegessen und nun beißt er in die Hand, die ihn einst fütterte.

Im Schoß der Kirche hochgeschlafen?

David Berger ist jung – am 08. März wird er 47 Jahre alt. Eigentlich zu jung, um in dem Imperium der katholischen Kirche mitmischen zu können. 1991 im zarten Alter von 23 Jahren begann David Berger Philosophie, Theologie und Germanistik zu studieren. 1998 promovierte er in Philosophie. Es begann seine Karriere in den konservativen Kreisen der Kirche. Er wurde Vizepräsident der neu gegründeten Deutschen-Thomas-Gesellschaft e.V. und arbeitete unter anderem als Religionslehrer an einem Kölner Gymnasium.

Eigentlich untypisch, dass er Philosophie und Theologie studierte. Er wurde 1968 in der Zeit der Studentbewegung geboren. Seine Eltern gehörten zu den politisch Aktiven  – sein Vater war Kriegsdienstverweigerer. Seine Eltern ließen ihn nicht taufen, die katholische Kirche spielte in dem 68er-Milieu keine große Rolle. David Berger wurde antiautoritär erzogen und kann seinen Namen tanzen – also er ging in einen Waldorf-Kindergarten.

Vor seinem unfreiwilligen Ausstieg aus der katholischen Kirche war David Berger nicht an irgendeinem Bistum tätig, sondern war Professor an der päpstlichen Akademie, Lektor der Glaubenskongregation, Mitglied des Ritterordens Jasna Góra und Chefredakteur einer erzkonservativen Zeitschrift. Nach eigenen Angaben gab er im Jahr 2007 seinen Titel an den Orden zurück, allerdings damals ohne offenen Protest gegen das, was er heute als Konservativismus und Homophobie bestimmter, diesem Ritterorden nahestehender polnischer Politiker bezeichnet. David Berger hatte Zugang zu den ultrakonservativen Netzwerken der Piusbrüder, der Legionäre Christi oder des Opus Dei.

In der freien Wirtschaft würde man bei so einem steilen Karriereaufstieg vermuten, dass sich derjenige „hochgeschlafen“ hat. Ob David Berger während seiner Zeit in der katholischen Kirche seinen knackigen Hintern zur Lustbefriedigung katholischer Geistlicher anbot oder mit seinem Geschlechtsorgan andere beglückte, um an sein umfangreiches Insiderwissen zu gelangen, weiß ich nicht. Bezogen auf die freie Wirtschaft könnte man das vermuten, denn sicherlich wird ein umfangreiches Insiderwissen nicht in der heiligen Messe weitergetragen. Vielmehr ist das oft Gesprächsstoff nach einem beglückenden Liebesakt. Sich das auszumalen, überlasse ich Eurem Kopfkino.

Nein, bei David Berger war das anders. Der Schweizer „Tagesanzeiger“ schrieb dazu:

Seine Blitzkarriere in der römischen Männerkirche verdankt er seiner Intelligenz. Und seiner sportlichen Jugendlichkeit.

Ahja … aufgrund seiner Intelligenz und seiner sportlichen Jugendlichkeit weiß David Berger natürlich, dass Homosexualität in der katholischen Kirche bis in allerhöchste Kreise reicht. In einem ZDF-Interview begründet Berger seine These damit, dass

es nie eine Epoche in der Kirchengeschichte gab, wo ein Papst sich so homophob benommen hat, wie unser derzeitiger Pontifex (Papst Bendikt XVI)

Der Schweizer „Tagesanzeiger schrieb weiter:

Angefangen hatte alles mit der Faszination für die alte Messe, eine Einstiegsdroge für so viele schwule Männer, die von der religiösen Märchenwelt magisch angezogen sind. Heute erkennt Berger die lateinische Liturgie, die das Heilige in einer Überbetonung des Ästhetischen darstellt, ganz wesentlich als «Produkt homosexueller Sublimierung». Frauen stören nicht.

Kein weibliches Wesen trübt das Bild dieser reinen Männerwelt. Die traditionsorientierten Kleriker sind über Hand- und Fussküsse oder rituelle Fusswaschungen zärtlich miteinander verbunden. Hier können sie ihre Leidenschaft für Brokat, Brüsseler Spitzen, Quasten und Schleppen ausleben.

Seine Liebe zur alten Liturgie sei in seinem Fall also nur sublimierte Homosexualität gewesen, sozusagen eine Faszination für „prachtvolle Barockgewänder und edle Brüsseler Spitze, klassische Kirchenmusik, Weihrauchschwaden, eine großartige Inszenierung, vor der jeder Opernregisseur neidvoll erblassen muss, und das alles fest in männlicher Hand“. David Berger war also ein Drogenopfer? Ein Mann, der sich gern mit Brokat, Brüssler Spitze und Quasten verkleidete, sich an der Inhalation von Weihrauch berauschte und mittels Fussküsse und rituellen Fusswaschungen seine Zärtlichkeiten mit anderen Männern austauschte? Fast 20 Jahre war David Berger in der katholischen Kirche … zelebrierte Rituale und kritisiert sie heutzutage.

Moment mal … wann nochmal begann David Berger Theologie zu studieren? 1991! – also nicht in den 50iger, 60iger oder 70iger Jahren. Nein, es war Anfang der 90iger Jahre, also zu einer Zeit, in der Homosexualität die breite gesellschaftliche Mitte erreichte. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. In einer Zeit, in der viele Homosexuelle sich auf den CSD’s tummelten, als Schwulenbars ihre Türklingeln abschafften, große Unternehmen Diversity-Groups gründeten, versteckte sich David Berger hinter Brüsseler Spitze und küsste Männerfüsse. Na was für ein Fetisch!

David Berger – seine Kindheit

Zwischendurch habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie David Berger zum katholischen Glauben kam – ist er doch ungetauft gewesen und hatte ein fast atheistisches Elternhaus. Die Antwort auf die Frage fand sich schnell. In die katholische Welt ist er durch seine Großmutter gekommen. Die üppigen, barocken Heiligenlegenden haben seine kindliche Seele getroffen. Er fühlte sich von der Welt des Katholischen, dieser einfachen, sinnlichen, direkten Religiösität angesprochen. Prägend waren die festgefügten Ordnungsstrukturen und die Tatsache, dass er selbst nichts entscheiden mußte. Da gab es zwar auch immer wieder die Auseinandersetzungen zwischen dem Elternhaus und der Großmutter und es kamen auch Zweifel auf, ob mit der katholischen Welt auch alles stimmte, aber diese Zweifel blieben klein. Als dann die Sexualität mit ins Spiel kam, merkte er, dass etwas nicht kompatibel ist. Allerdings wollte er sich nicht den Einflüsterungen des Bösen hingeben und letztendlich beruhte seine Entscheidung auch auf strategischen Überlegungen.

David Berger ein Mann der Diskretion

Er wollte ein Mann der Diskretion sein. Als Spezialist für den heiligen Thomas von Aquin kannte Berger nichts Übleres als die publizistische Ausbreitung von Subjektivität. Es hatte um die Sache zu gehen. „Indiskretion“ war seine polemische Hauptkategorie. Im Umkreis der traditionsnahen katholischen Intelligenz machte sich David Berger deshalb einen Namen.

Als Herausgeber der Zeitschrift „Theologisches“ war David Berger sehr kritisch gegenüber dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Kritisch gegenüber allen reformorientierten Geistern, vor allem gegenüber Karl Rahner und dessen Schüler Herbert Vorgrimler. Vorgrimlers Autobiografie kritisierte David Berger nicht ohne Schärfe. Sein Diskretionsgebot folgte einer sonderbaren Dialektik. Es wurde ihm zur Lizenz, seinerseits ausführlichst und ungescheut über Vorgrimlers Beziehungen zu einer „Sigrid“ reden zu können. Und was Karl Rahner anging, so blieb Berger auch hier nicht bei der theologisch strittigen Sache, sondern brachte dessen Beziehung zu Luise Rinser ins Spiel. Als der Kreis um die Zeitschrift „Theologisches“ Kenntnis von seinem Facebook-Posting bekam, sah David Berger das Gebot der Diskretion verletzt. David Berger erklärte, daß er

Einmischungen in sein Privatleben nicht wünsche, zumal ihm dieses weitaus mehr wert sei und ihn glücklicher mache als die Herausgeberschaft des „Theologischen“.

David Berger – Das heilige Sein

Dabei saß er selbst im Glashaus und warf mit Steinen. Seine bereits langjährige Beziehung zu seinem Lebenspartner Klaus E. Krauss … ähm, pardon seinem Cousin, verschwieg er seinem katholischen Arbeitgeber. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, dass David Berger schwul ist, wurde Klaus immer als sein Cousin vorgestellt. David Berger hatte also eine Sex- und Liebesbeziehung zu einem Verwandten – nunja, so genau darf man das nun nicht nehmen. Genauso wie man sein Sexleben nicht so genau nehmen darf. Eigentlich würde ich von einem konservativen Katholiken – auch wenn der nun schwul ist – erwarten, dass er sich einer monogamen Liebesbeziehung hingibt. Da darf man dann schon mal in seinem blauen und grünen Profil der schwulen Gemeinschaft etwas von „Geil auf LongTime-Sessions … möglichst versaut, möglichst bis an die Grenzen gehen“ und  „viele Schwanzsäfte, immer wieder …“ lesen. Na wenigstens hält er sich an den Kondomverzicht, den die katholische Kirche jahrelang predigte

David Berger ist schwul

Seine Entscheidung sich als homosexuell zu outen, traf Berger im April 2010 nach einer Fernsehdiskussion über Mißbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Entsetzt verfolgte er einen Streit zwischen dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und dem schwulen Filmemacher Rosa von Praunheim.

In seinem Buch „Der heilige Schein“ schrieb er dazu

Die heuchlerische, bigotte Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität brachte mich dazu, mich öffentlich zu outen und gleichzeitig als Herausgeber und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „Theologisches“ zurückzutreten.

Gut, nun könnte man meinen, dass David Berger aufgrund seiner Intelligenz erkannt hat, welches Spiel er mitspielte. Man könnte davon ausgehen, dass er dieses Spiel „wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“ durchbrechen wollte.

Weit gefehlt. Sein Outing war unfreiwillig. Tatsächlich trat David Berger im April 2010 bereits vor seinem Outing zurück. Dogmatik-Professor Dr. Manfred Hauke,  Vorsitzender der „Fördergemeinchaft Theologisches“ war dem homosexuellen Berger in „Facebook“ auf die Spur gekommen war. In seinem Facebook-Profil postete David Berger damals seine Teilnahme an den „Gay-Games“.

Um seiner wahrscheinlichen Entlassung als Chefredakteur der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Theologisches“ zuvorzukommen, trat David Berger die Flucht nach vorne an und gab öffentlich den Rücktritt von seinem ehrenamtlichen Posten bekannt. Doch damit nicht genug. Auf die Vorhaltungen Haukes, er sei mit einem „homosexuellen Milieu“ verknüpft, reagierte der Entlarvte in einer veröffentlichten Stellungnahme zunächst mit hartnäckigem Leugnen. Zugleich warf er Professor Hauke nichts weniger als „Verleumdung“ vor.

Einige Zeit später erklärte David Berger sodann das glatte Gegenteil, als er sich in der linksgerichteten „Frankfurter Rundschau“ als schwul outete, wobei er seine Erklärung mit massiven Angriffen auf die kirchliche Haltung zur Homosexualität garnierte.

Über diesen tatsächlichen Verlauf der Geschehnisse, die Berger in seinen Buch zu vertuschen versucht, berichtete eine Pressemeldung des Christoferuswerks: http://www.pressinfocom.com/1/David-Berger-outet-sich-als-Schwuler_525685.html

David Berger in der heutigen Zeit

Tino Henn, Vorsitzender der Deutschen AIDS-Hilfe und damaliger Geschäftsführer des Magazins MÄNNER aus dem Bruno Gmünder Verlag, holte er David Berger 2013 aufgrund gemeinsamer Aktivitäten gegen kreuz.net als Chefredakteur in den Verlag. Tino Henn erhoffte sich aus der gemeinsamen Zusammenarbeit ein Magazin von Schwulen für Schwule zu etablieren, das gesellschaftliche Probleme der schwulen Gemeinschaft angeht. Hinter diesen Erwartungen blieb David Berger deutlich zurück. Vielmehr nutzte er das Magazin, um seine Hasstriaden gegen die katholische Kirche zu verbreiten und ein schwules Männerbild zu vermitteln, welches dem eigentlichen schwulen Mainstream nicht entspricht. Nach der Insolvenz des Verlags und der Übernahme durch Frank Zahn war er es auch, der schlußendlich die Reißleine zog und David Berger von seiner Tätigkeit als Chefredakteur entband. Heute schreibt David Berger für die Huffingtonpost, The European und auf seiner neu gegründeten Webseite www.gaystream.info.

David Berger wird vom Spiegel als „Kirchenkritiker und ehemaliger Theologieprofessor in Rom“ vorgestellt. Als einer der profiliertesten Kenner der Theologie des Hl. Thomas von Aquin war David Berger einer der theologischen Wortführer des extrem konservativen Kirchenflügels. Der Publizist Alexander Kissler urteilt über ein Buch von David Berger aus dieser Zeit (im Vatikan-Magazin):

Der Autor des Buches, das ich gerade lese, ist Traditionalist durch und durch…

Wer in Bergers Artikeln die Tiraden gegen liberale Theologen wie Karl Rahner, Johann Baptist Metz und Herbert Vorgrimler liest, der glaubt nicht, dass der Verfasser derselbe David Berger von heute ist. Ich kenne kaum eine Lebensbiografie, die sich derartig umgekehrt, quasi von innen nach außen gekrempelt hat. Aus dem ultrakonservativen theologischen Jungstar wurde der bekennende homosexuelle Kirchenkritiker (wobei das noch milde beschrieben ist). So kann man sein Buch „Der heilige Schein“ als Abrechnung mit seinem bisherigen Leben lesen. Der Ärger über die Kirche (oder, man müßte richtiger sagen, über den speziellen „Ausschnitt“ der katholischen Kirche, in dem er bisher gelebt und „Karriere“ gemacht hat) führt zu einer Generalabrechnung. Man fragt sich nur: Ist das, was David Berger als „die Kirche“ beschreibt, wirklich die katholische Kirche an sich oder geht es um den engen Ausschnitt der Kirche, der er die ersten Jahrzehnte seines theologischen Wirkens gewidmet hat.

David Berger hat seine homosexuellen Neigungen in seinem Lebensmilieu wohl viele Jahre verbergen müssen. Nach eigener Aussage war ihm schon 20 Jahre vor seinem „Outing“ klar, dass er homosexuell ist und als schwuler Mann auch leben möchte. Da ist es nicht verwunderlich, dass eine so lange Zeit des Versteckens und Verbergens ihre Folgen hat.

Und da die weitere Karriere in der katholischen Kirche abrupt endete, wollte er scheinbar als Chefredakteur des Magazins MÄNNER zum Papst der schwulen Community erkoren werden.

David Berger – Der Scheinheilige

Ich habe in der letzten Zeit genug über und von David Berger gelesen. David Berger wirft der katholischen Kirche Doppelmoral vor. Eine Doppelmoral, die er jahrelang selbst mitgetragen hat. Wie war das nochmal? Sein schwuler Lebenspartner Klaus ist sein Cousin

Ich stelle mal die vage Vermutung an, dass David Berger noch heute diese Doppelmoral mittragen würde, sich noch heute hinter Brüsseler Spitze verstecken, seinen Fetisch der Fusswaschungen und Fussküsse ausleben würde, wenn … ja, wenn da nicht sein verräterisches Facebook-Posting gewesen wäre. David Berger ist kein Newcomer der schwulen Gemeinschaft. Er ist keiner, der die schwule Gemeinschaft zu reformieren hat. In einer Zeit, in der die schwule Gemeinschaft massiv für Akzeptanz und Toleranz kämpfte, versteckte er sich im Schoß der katholischen Kirche.

Nach der Lektüre diverser Beiträge in den unterschiedlichsten Medien komme ich mir vor, wie in einem großen Kindergarten. „Ich spiele mit Dir, solange ich Dir nicht sagen muß, wer ich bin und was ich mache. Und wenn Du mir meine Schippe wegnimmst, dann verpetze ich Dich bei meinem großen Bruder.“

Letztendlich komme ich zu dem Schluß, dass der Ullstein-Verlag bei Herausgabe seines Buches „Der heilige Schein“ einen Druckfehler haben muß. Der korrekte Titel wäre: „Der Scheinheilige“.

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